Ganzheitlich Klavier lernen

Genau jetzt ist sie da, diese innere Aufruhr, dieses Verlangen… Eine grosse Sehnsucht und gleichzeitig die Angst zu versagen… Die Wahrheit, die hinter dicken Wolken sitzt und gleichzeitig spürbar, zum Greifen nahe… Vernunft – der falsche Weg, um dahin zu gelangen, wo sich diese Wahrheit manifestieren kann.

Einst im Bus in Berlin, auf dem Weg zu einem Klavierseminar: Zwei Geiger unterhielten sich über ihr letztes Konzert. „Die Zuhörer sind dumm!“ empörte sich einer von ihnen, verausgabt und bemüht wohl sein Unbehagen auszudrücken.

„Das letzte Konzert mit Standing Ovations war ein Knaller. Ich war hin und weg, weil ich damit nicht gerechnet hatte. Desto enttäuschender waren die Reaktionen für mich nach dem Konzert. Was Menschen mir sagten, um Respekt und Zuneigung auszudrücken, hörte sich für mich unzusammenhängend und falsch an.“

Kaum einer kann wirklich begreifen, was vor sich geht, wenn ein Künstler eine Vorführung gibt. Dies wäre ein Grund, die Öffentlichkeit zu meiden. Kein Blatt vor den Mund zu nehmen, was oft auch provozierend wirkt, wäre nur eine Folge davon.

„Den Schmerz und die Leidenschaft, die man empfindet und die dringenden Ausdruck suchen, kann man er-tasten, sogar dadurch einen sicheren Halt bekommen. Wenn man mit beiden Händen an einer Klippe hängt, wie tief würde man fallen?“

Klavier spielen ist heilsam. Es öffnet Ventile, vorausgesetzt man ist offen dafür. Es ist bunt wie ein Regenbogen… sowie in guten als auch in schlechten Zeiten.

Das Feuer im Menschen zu entfachen Klavier zu lernen ist keine Aufgabe, die man sich stellen muss: geschehen lassen, loslassen, sich tragen lassen, und was am Wichtigsten ist: Vertrauen. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, kompromisslos. Es gibt da keine Verurteilung, keine Schande und keine Schuld.

Wenn der Spieler sich mit dem Instrument verbindet und musikalisch Konturen verschwimmen lässt, kann das energetisierend auf den Körper wirken. Eine stille Begeisterung tritt auf, die Augen leuchten lässt. Manchmal verwässert, manchmal tief, denn endlich kann der Spieler wieder aufatmen, bekommt Luft und die Energie, die durch jede Zelle fliesst, ist auch im scheinbaren Stillstand vorhanden. Negative Glaubenssätze können durch diese Art der Transformation aufgelöst werden.

Um Klavier zu lernen hört man nicht selten von Zweifeln geplagte Ausflüchte, dass zu wenig Zeit vorhanden ist, man es mit der Arbeit und/ oder den Kindern nicht schafft, man zu alt ist, oder der Alltag einen überwältigt. So ist wieder ein Traum im Keim erstickt und das Hamsterrad dreht sich weiter. Man gibt sich eben zufrieden mit dem, was man hat und möchte nicht aus seiner Komfortzone herausbrechen, damit die scheinbare Sicherheit nicht abhanden kommt.

Wäre es nicht der Mühe Wert dem ein Ende zu setzen? In sich hinein zu spüren kann Angst und Unsicherheit verursachen.

„Dieses Gefühl, eine Taste bis in den Grund zu drücken, die Schwerkraft zu spüren, aus der Intuition heraus zu agieren, verbindet alle Töne zu einer einzigen Symphonie.“

Schon mit einer Kombination weniger Töne entsteht ein eigenes Universum.

Klavierspiel eignet sich hervorragend, um Gefühle und Emotionen musikalisch auszudrücken. Sich und andere zu begeistern, die Welt mit neuen Augen zu sehen, kurz: eine bessere Welt zu erschaffen. Die Umwelt, Tiere und Pflanzen, alle bekommen diese Schwingungen zu spüren.

Klavierspielen kann auch ein Weg in die Stille sein.

Der Vagus-Nerv stellt die direkte Verbindung von der Verstandesebene zur Unterbewusstseins-Ebene dar, da wo der Solarplexus sitzt. Sie sind beide miteinander verbunden. Sobald wir unser Denken abgeben ans Unterbewusstsein, wird das hervortreten, sich manifestieren, was wir gedacht haben, ob wir wollen oder nicht, so funktioniert das Gesetz der Anziehung.

Jeder, der meditiert oder sich mit Meditation in die Stille begibt weiss, dass es manchmal schwierig ist, Gedanken abzustellen, gerade, wenn man alte Dinge im Leben loslassen oder verändern möchte.

„Beim Klavierspielen habe ich zu allem gespielten ein Gefühl. Durch dieses Gefühl entstehen Bilder. Durch diese Bilder wird Musik lebendig. Dadurch wird Musik zur Sprache. Dadurch wird Musik verständlich. Und dadurch können wir musikalisch Dinge zur Sprache bringen, die Worte einfach nicht ausdrücken können.“

Wir denken jeden Tag etwa 60.000 Gedanken und können nicht jeden einzelnen Gedanken kontrollieren. Nur durch Übung können wir uns dahin annähern. Genau das ist es, was uns gut tut. Uns aus dem Alltag zu entlassen, auch wenn es nur kurze Momente sind, die wir durch unsere täglichen Übungen nur in der Stille erreichen können.

Beim Klavierspielen sind wir gewohnt zu denken und das ist auch gut so. Dennoch bringt es uns nicht immer weiter, da wir, ob wir wollen oder nicht über kurz oder lang auf Blockaden stossen. Sei es auch nur, dass man denkt, der andere kann es ja besser. Ein negativer Gedanke, der einen nicht weiter bringt. Es gibt immer Leute, die es besser können, aber wer so denkt, gibt auf.

A(t)men –

Wir wissen heutzutage, dass wir alle miteinander verbunden sind. Das, was sich im Äusseren spiegelt ist in unserem Inneren vorhanden und umgekehrt. Auch wenn 10.000 Menschen das gleiche tun, ist es immer anders, unterscheidet sich. Was der eine besser kann, kann der andere anders besser. Wenn 10.000 Menschen Für Elise spielen, bekommen wir 10.000 verschiedene Versionen des Stückes zu hören. Das ist so und wir sollten dankbar für die Vielfältigkeit sein.

„Die Treue zu sich selbst bestärkt und hält über Wasser. Frei, unabhängig, schöpferisch tätig und kreativ, was das ganze Wohlbefinden ausmacht.“

Klavier spielen ist wirklich sehr schwer. Es bedarf ständiger Übung und Disziplin. Aus der Intuition heraus zu spielen verschafft Einfachheit, Klarheit und Verständlichkeit für jeden von uns. Es öffnet die Tore der vielseitigen Gestaltungsmöglichkeiten. Das ist kinderleicht, denn jede Übung wird gelingen und klingen.

Wir werden oft nach der Funktionalität beurteilt und nicht nach dem ganzen Wesen. Wo die Aufmerksamkeit hin fliesst entsteht Energie.

Die Voraussetzungen was für das intuitive Klavierspiel benötigt wird kann man in 4 Punkten zusammenfassen:

1. die Bereitschaft: Die Bereitschaft uns dafür zu öffnen.

„Wir müssen bereit sein unserer Intuition, unserer Eingebung zu vertrauen. Wie bei einer Reise ins Ungewisse.“

2. Zeit: Zeit und das Gefühl. dass wir ganz viel davon haben ist notwendig für das intuitive Klavierspiel. Damit wir uns wirklich entspannen können und uns diesem kreativen Prozess auch hingeben können ist Zeit ein weiterer wesentlicher Faktor, um intuitiv Klavier spielen zu können.

3. ein Raum: So banal es klingen mag, aber ein Raum, indem wir ungestört sind, ist von Bedeutung, wenn wir intuitiv Klavier spielen möchten. Ein Raum, indem wir uns geschützt und geborgen fühlen können, indem wir uns frei entfalten und diesen heilsamen Prozess auch bewusst erleben können.

4. zu guter letzt, wir brauchen ein Klavier: Ein Instrument mit Tasten, ein Klavier, einen Flügel oder ein Keyboard, E-Piano, eine Orgel oder gar einen Synthesizer mit Klavierklängen. Ein Klangpedal ermöglicht es, unbefangener zu spielen und ist somit von grossem Vorteil. Je nachdem, was uns gerade zur Verfügung steht sollten wir hier nicht verkrampft an Dingen festhalten, die (noch) nicht vorhanden sind.

Pianolla Muse

2 Comments

  1. Veröffentlich von Perroulaz am 31. März 2018 um 19:08

    Hallo…..ich heisse Madelaine und Deine Zeilen haben mich eben sehr in meinem Herzen berührt.
    Erstmal….wie schön, dass es Dich gibt, Du sprichst mir aus dem Herzen.

    Vor ein paar Wochen habe ich genau das entdeckt, was Du hier beschreibst. Ich bin YogaLehrerin und unterrichte an einem Wochentag in einer Schule im Singsaal. Dort steht ein Klavier, etwas einsam scheint es mir zu sein, obwohl sicher viele darauf spielen. Es zieht mich magisch an. Ich setze mich hin, lege meine Hände auf die Tasten, streichle sie, wie wenn ich sie zärtlich berühren möchte. Ich atme und lasse einfach geschehen. Spüre eine starke lichtvolle Energie um mich herum und meine Finger suchen Klänge, die mir das Klavier offenbaren möchte, Klänge die so wie es mir scheint durch das Licht hindurch zu meinen Fingern gleiten um sich im Ton zu offenbaren. Ich versinke immer mehr in diesen Zustand innerer Stille, Hingabe und Vertrauen und mein Herz ist tiefst berührt von dem was da gerade geschieht.

    Heute, drei Wochen später nehme ich mir Zeit in ein Musikhaus zu fahren, mit der Absicht ein Klavier zu mieten. Ich komme in einen Raum der mit vielen Klavieren gefüllt ist……bin alleine…..darf alles ausprobieren. Ich will spüren, welches Klavier sich mit mir verbinden möchte und mir seine Klänge schenken möchte. So streichle ich über jedes an dem ich vorbei komme……bei einem alten Modell setze ich mich nieder. Ich spüre sofort diese Verbindung auf die ich gewartet habe. Die Klänge die mir das Klavier offenbart berühren mein Herz. Da ist sie wieder, diese lichtvolle Energie. Weich und entspannt verbinden sich die Tasten mit meinen FIngern. Wundervoll. Doch will ich auch noch andere testen, wie sie sich anfühlen. Die Erfahrungen sind vielseitig: schnittig, hart, jung, unerfahren, herausfordernd, kraftfordernd, wild, unantastbar, hilflos………ein riesieges Spektrum an Informationen die mir da entgegen kommen.

    Mein Klavier……ich hab die Wahl längst getroffen, schaut mir dabei zu und wartet geduldig bis ich zurück komme und mich abermals hinsetze. Und da ist es wieder, dieses Licht. Wir sind längst miteinander verbunden und ich bin so berührt, dass ein paar Tränen über meine Wangen rollen. Bald ist dieses Klavier bei mir in meinem wundervollen Yogaraum zu Hause und wir werden viele gemeinsame Stunden erleben.

    Liebe herzliche Grüsse aus der Schweiz
    Madelaine

    • Veröffentlich von Pianolla Muse am 31. März 2018 um 19:37

      Hallo Madelaine,
      ich freue mich, dass wir zueinander gefunden haben.
      Liebe Grüße Pia

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